Ordnung muss sein

Wir wachsen in geordneten Verhältnissen auf. In der Schule lernen wir Ordnungszahlen: erstens, zweitens, drittens … So wissen wir bald, was oder wer von untergeordneter Bedeutung ist. Beim Autofahren halten wir uns an die Straßenverkehrsordnung und ordnen uns richtig ein. Ordnungshüter ordnen den Verkehr – und anderes. Hält sich einer nicht an deren Anordnungen, bekommt er ein ordentliches Verfahren vor einem ordentlichen Gericht – entsprechend der Strafprozessordnung. Dies weiß jeder Jurastudent, wenn er gemäß Studienordnung studiert hat und bei einem ordentlichen Professor gemäß der neuen Prüfungsordnung sein Examen abgelegt hat.

Gewöhnlich nehmen wir Deutschen ein ordentliches Frühstück ein, es sei denn, unser Magen ist nicht in Ordnung; dann bekommen wir vom Arzt etwas verordnet – entsprechend der Gebührenordnung der Krankenkasse. Unsere Interessen werden vertreten durch Abgeordnete, die in den Parlamenten sitzen – wie, das bestimmt die Sitzordnung; über diese und anderes wachen die Saalordner. Bisweilen erhalten Abgeordnete einen Ordnungsruf, zum Beispiel wenn sie sich nicht an die Geschäftsordnung halten. Herrscht in einer Partei zu große Unordnung, so wird ein außerordentlicher Parteitag einberufen. Von Zeit zu Zeit wird das Parlament von Abgeordneten anderer Länder besucht. Diese können dann sehen, wie ordentlich es bei uns zugeht. Irgendwann kommt dann für jeden von uns der Zeitpunkt, wo er seinen Nachlass ordnet. Und was am Ende noch bleibt, ist – ein ordentliches Begräbnis.

© Bodo Mario Woltiri