Die Geliebte

 

Noch bin ich unentdeckt und gut verhüllt,

ich gebe keinen Laut von mir.

Und meine Sehnsucht bleibt noch ungestillt -

ich liege still und warte hier.

 

Doch nun befreist du mich von meiner Hülle

und legst behutsam meinen Körper auf dein Bein.

Ich spüre eine Hand an meinem Hals, die andere auf meinen Saiten.

Ich rufe lautlos „Mein Geliebter, spiele!

Lass meinen Körper voller Klänge sein,

auf dass wir unserem Publikum den höchsten Hörgenuss bereiten.

 

Ganz willig liefere ich mich aus

dem Spiel der wohlvertrauten Finger, die mich zupfen, schlagen, drücken,

die mich zum Schwingen

und zum Klingen bringen,

dass das Herz mir bis zum Bunde schlägt.

Du holst das Beste aus mir raus,

ich seufze eine Sinfonie der Töne vor Entzücken,

die mich und dich und unsre Zuhörer erregt.

 

Dann holst du aus zum Schlussakkord

und über den Applaus

des Publikums hinaus

klingt er noch lange in mir fort.

 

© Bodo Mario Woltiri / September 2013